„Früher dachte ich, ich sei ein Held. Heute muss ich sagen: ich war ein A…loch.“

 

Manuel Bauer schaffte es aus dem Teufelskreis der rechten Szene auszubrechen. Am 12. Juli 2012 erzählte der Ex-Neonazi über seine Vergangenheit, die Gefahren der rechten Szene und seinen geglückten Weg in ein neues gewaltfreies Leben.

Quelle: Fehlner

Ein nettes Auftreten hat dieser Manuel Bauer. Doch vor 15 Jahren wäre es sicher besser gewesen, wir wären ihm nicht begegnet. Manuel Bauer war 13 Jahre lang ein gewalttätiger Rechtsradikaler. Er war als Chef der „Wehrsportgruppe Racheakt“ tätig und als Mitbegründer des „Bundes Arischer Kämpfer“ international bekannt. Ihm gefiel es Angst und Schrecken zu verbreiten. Gewalt gehörte für ihn zum Alltag. Er schlug jeden, der ihm nicht gefiel, doch besonders gerne Ausländer, Behinderte und Homosexuelle. Er vergriff sich nicht nur an Erwachsenen, sondern auch an Kindern.

 „Ich hasst Leute, obwohl ich sie nicht kannte“

 Schon mit 12 Jahren hatte er Kontakt zur rechten Szene. Das Sprachrohr war die Musik. Als dann `90 die Wende kam, zerbrach seine bis dahin heile Familie, die Eltern wandten sich von ihm ab, weil er begann seine Mutter zu beleidigen und zu schlagen, und er sah die rechtsradikalen Kameraden als neue haltgebende Familie.

Aber seine Mutter war nicht die einzige die seine Gewalt spüren musste. Er und zwei seiner „Kameraden“ überfielen einen Jugendtreff, welcher von einem Asylantenheim organisiert war. Er hatte die Aufgabe unten an der Treppe – bewaffnet mit einer Holzlatte – zu warten, damit keiner der Jugendlichen fliehen konnte. Seine Komplizen schlugen währenddessen zwei Mädchen mit einer Eisenstange ins Gesicht. Er sagt, er hatte noch nie solche Schmerzensschreie einer Frau vernommen. Manuel Bauer dachte kurz darüber nach wegzurennen, den Rechtsradikalen den Rücken zuzukehren. Doch er tat es nicht, weil die Angst vor der Rache der Neonazis viel größer war. Er wurde immer mehr in den Bann der Rechtsradikalen gezogen.

Als er dann mit 16 Jahren zum Jugendgruppenführer ernannt wurde, war sein großer Traum erfüllt. Er durfte seine Ideologie weitergeben.

Auch in den nächsten Jahren bestimmten weiterhin Gewalt und Hass sein Leben. Manuel Bauer trat Schwangeren in den Bauch, überfiel Homosexuelle und schlug Ausländer.

So stand er unteranderem wegen Erpressung vor Gericht stand, wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt. Er hatte einen homosexuellen Geschäftsführer aus seinem Heimatsdorf erpresst. Kein Geld, hieß Ermordung. Soweit kam es Gott sei Dank nie, dennoch befindet sich das Opfer heute noch in psychologischer Behandlung.

Manuel Bauer saß also im Gefängnis. Als er eines Tages zwei seiner ehemaligen Kameraden im Gefängnishof mit Drogen dealen – dieses galt in der rechten Szene als sehr verpönt – sah, kam es zur Prügelei. Einer gegen Zwei, wie unfair dachten sich zwei türkische Häftlinge und eilten Manuel Bauer zur Hilfe. Die ehemaligen Feinde helfen ihm, die ehemaligen Kameraden schlugen ihn. Manuel Bauer war verwirrt, sein Weltbild war durcheinander geraten.

Auch in den nächsten Monaten im Gefängnis hörte er immer wieder Geschichten über Ausländern. Er war immer mehr fasziniert von diesen anderen, ihm fremden Kulturen.

Der Gefängnisaufenthalt war wohl der Anstoß für ihn, warum Manuelbauer sich Hilfe bei EXIT-Deutschland suchte.

 „Die Gespräche mit EXIT-Deutschland zeigten mir, auf welchem schmalen und falschen Weg ich mich bewegte.“

 Heute ist Manuel Bauer 32 Jahre alt und seit nun mehr als 10 Jahren raus aus der Szene. Er lehnt heute Gewalt ab und ist gegen Krieg. Manuel Bauer arbeitet als freier Mitarbeiter bei EXIT und hält zahlreiche Vorträge, um Menschen die Gefahren der rechten Szene aufzudecken und sie von solchen Fehlern, wie er sie begangen hat zu bewahren. Vor allem die Jugendlichen liegen ihm am Herzen, da sie viel offener für falsche Ideologien sind als Erwachsene.

Der Aussteiger sagt, seine Arbeit ist für ihn sehr wichtig, damit er irgendwann vielleicht mit seiner Vergangenheit abschließen kann, sie ist aber auch für seine Opfer wichtig, damit sie zurück in ein geregeltes und angstfreies Leben finden können. Er möchte, dass die Opfer ihn sehen und sein Einsetzen gegen die Nazi-Szene als Entschuldigung annehmen.

 

Quelle: Fehlner

Abschließend lässt sich festhalten, dass der Vortrag von Manuel Bauer sehr nachdenklich gestimmt hat. Wir Schüler haben einen Einblick in die Gefahren der rechten Szene und deren Ideologien bekommen. Uns ist klar geworden, wie schwierig es ist aus dem Teufelskreis der rechten Szene wieder auszubrechen. Und deshalb sollten wir alle NEIN zur Ausländerfeindlichkeit, NEIN zur Intoleranz und NEIN zum Nationalsozialismus sagen, denn Deutschland hatte schon einmal solche „rechten Spinner“ an der Macht.

Weitere Informationen über Manuel Bauer, seine Veranstaltungen und Projekte findet man im Internet unter www.manuel-bauer.org.

(Elisabeth Stenzel)