Schottlandaustausch 2014

 
Foto: Bernd Kappl

Foto: Bernd Kappl

Nachdem die Partnerschaft unserer Schule mit einer Schule in Vichy mittlerweile eine zwanzigjährige Geschichte aufweist, fand in diesem Jahr, gleich zu Beginn des neuen Schuljahres, ein Schüleraustausch der besonderen Art statt: Der erste Austausch zwischen unserem Gymnasium und einer Schule aus einem englischsprachigen Land in Großbritannien, nämlich der „Stirling High School“ in Schottland!

Als das Projekt gegen Ende des letzten Schuljahres angekündigt wurde, war der Andrang auf die wenigen Plätze groß: Über 40 Schüler zeigten Interesse an einer Fahrt nach Schottland, sodass die begleitenden Lehrer, Frau Glatigny und Herr Kappl, sich entschieden, die Teilnehmer auszulosen.

Diese neun Glücklichen machten sich also ausgerechnet am Tag der Abstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands auf den Weg, um eine spannende Woche bei schottischen Gastfamilien in Stirling und Umgebung zu verbringen. Hier ist unser Reisebericht:

 

Tag 1: Donnerstag, 18. September 2014

Die neun Schüler, die für den Austausch ausgelost worden waren, trafen sich mit den Lehrern Frau Glatigny und Herrn Kappl am 18. September um 9.30 Uhr am Hauptbahnhof in Weiden. An diesem Tag war vor allem in Schottland viel los, denn zusätzlich zum Beginn des 1. Schüleraustausches mit Weiden war „nebenbei“ noch die große Wahl für oder gegen die Unabhängigkeit von Schottland. Wir fuhren mit dem Zug zunächst einmal nach Nürnberg und nahmen nach einigen Stunden Wartezeit das nächste Flugzeug der Fluggesellschaft Lufthansa nach Frankfurt. Von dort aus flogen wir nach Edinburgh, der Hauptstadt Schottlands, die rund 40 km von unserem eigentlichen Ziel entfernt ist – Stirling. Nachdem wir in Schottland gelandet waren, holten wir unsere Koffer, die wir seit Nürnberg nicht mehr gesehen hatten. Am Ausgang wurden wir bereits von einem Lehrer der „Stirling High School“ erwartet. Er hatte uns einen Kleinbus bestellt, der uns nach Stirling bringen sollte. Leider hatte unser Taxifahrer einen starken schottischen Akzent, sodass es uns nicht ganz leicht fiel, ihn zu verstehen, als er uns eine Art Landeskundestunde geben wollte. Wir fuhren an zwei gewaltigen Pferdeköpfen vorbei, die scheinbar zufällig in der ebenen Landschaft platziert worden waren. Die Häuser waren alle in einem ähnlichen Baustil gehalten und meist grau oder braun – so machte das Gesamtbild einen etwas monotonen Eindruck.

Foto: Bernd Kappl

Foto: Bernd Kappl

Die „Stirling High School“ war im Kontrast dazu ein wirklich modern wirkender Bau. Eine kleine Gruppe von Schülern hatte sich mit ihren Eltern vor der Schule versammelt. Die Schotten halfen ihren jeweiligen Austauschpartnern, das Gepäck in die Autos zu verfrachten. Nun wurden die vier Schüler und fünf Schülerinnen individuell in ihren Gastfamilien in und um Stirling untergebracht, einer Stadt, die etwa die Größe von Weiden hat.

 

Tag 2: Freitag, 19. September 2014

Nachdem wir alle am Vorabend äußerst herzlich von unseren Gastfamilien aufgenommen worden waren, war nun eine Besichtigung verschiedener lokaler Attraktionen geplant: So besuchten wir zum Beispiel „King’s Gardens“, den größten Park Stirlings direkt unterhalb der Stadtfestung „Stirling Castle“, der früher Garten und Turnierplatz des Königs war. Weiter ging es zum „Wallace Monument“, einem imposanten Turm aus Stein, erbaut zu Ehren von Sir William Wallace, einem schottischen Nationalhelden. Nach der Besteigung einer steilen Wendeltreppe mit 246 Stufen bot sich uns von dem auf einem Hügel gelegenen und 67m hohen Turm aus eine fantastische Aussicht. Hierauf folgte zunächst das „Robert the Bruce Monument“, ein Denkmal für König Robert the Bruce, Sieger in der „Battle of Bannockburn“, und dann ein Wahrzeichen Schottlands: zwei 30m hoch aufragende Pferdeköpfe aus Metallplatten, die sogenannten „Kelpies“, welche wir schon bei der Anreise gesehen hatten.

Foto: Bernd Kappl

Foto: Bernd Kappl

Eine weitere beeindruckende Sehenswürdigkeit war das „Falkirk Wheel“, ein weltweit einzigartiges Schiffshebewerk nach dem Prinzip eines Riesenrades, das die 11 Schleusen ersetzt, die Boote hier früher passieren mussten. Bevor wir zu unseren Gastfamilien zurückkehrten, besichtigten wir noch „St. Antonine’s Wall“, die Ruine eines römischen Befestigungswalls.

Jeden Tag bekamen wir eine Tüte mit der Aufschrift „ENJOY HEALTHY SCHOOL LUNCHES“: Wie der Name schon sagt, befanden sich in dem gesunden Lunchpaket eine Flasche „Highland Water“, zwei Sandwiches, ein süßer Keks (Durchmesser ca. 5cm) und natürlich, weil es ja auch gesund sein musste, eine Tüte Kartoffelchips. Selbstverständlich hatte keiner von uns etwas gegen diese Art von gesunder Ernährung einzuwenden.

 

Tag 3: Samstag, 20. September 2014

Das Wochenende wurde mit den Gastfamilien verbracht, die verschiedene Aktivitäten für uns geplant hatten. Die meisten besichtigten die mittelalterliche Festung „Stirling Castle“ und erhielten eine kleine private Stadtführung von ihren Austauschpartnern.

 

Tag 4: Sonntag, 21. September 2014

Auch den Sonntag verbrachten wir bei unseren Gastfamilien, beispielsweise in einer Indoor-Skiing-Anlage in Glasgow, einem Autorennen oder bei Hamish, dem berühmten schottischen Hochlandrind.

 

Tag 5: Montag, 22. September 2014

Stirling5_280

Foto: Bernd Kappl

Per Zug gelangten wir von Stirling nach Edinburgh, der Hauptstadt von Schottland. Kaum hatten wir den Bahnhof verlassen, da wurden wir schon von den Klängen eines Dudelsacks empfangen… Wir machten uns auf den Weg zur Burg und kamen am „Walter Scott Monument“ vorbei. Walter Scott war ein berühmter Dichter und spielte für Schottland literarisch eine sehr tragende Rolle, in etwa vergleichbar mit der Goethes oder Schillers für Deutschland. Zudem kamen wir an einer Uhr für die Jahre 2004 – 2014 im Park vorbei, deren Ziffernblatt und Zeiger ausschließlich aus Blumen bestanden.

Als wir schließlich vor der Burg standen, bot sich uns ein atemberaubender Blick über Edinburgh. Im Anschluss gingen wir die „Royal Mile“ hinab und gelangten schließlich zu einem Platz, auf dem einst ein Gefängnis gestanden hatte. Später wurde als Andenken an die zu Unrecht Eingekerkerten ein Pflastersteinmosaik in den Boden eingelassen und, um den Unschuldigen Respekt zu erweisen, spucken die Passanten im Vorbeigehen auf das sogenannte „Heart of Midlothian“. Die meisten von uns schlossen sich den Schotten an.

Auf unserem Weg zum Bahnhof lag unter anderem ein berühmtes Kunstwerk Edinburghs: eine Treppe, deren sämtliche Stufen aus einer jeweils andersfarbigen Art von Marmor besteht. Schließlich fuhren wir zurück nach Stirling und verbrachten den Rest des Tages mit unseren Gastfamilien.

 

Tag 6: Dienstag, 23. September 2014

Am Dienstag lernten wir den schottischen Schulalltag kennen: Vom Schulbeginn um neun Uhr an durften wir gemeinsam mit unseren Austauschpartnern die ersten zwei Schulstunden besuchen und das weitläufige Schulgelände (mit eigenem Schwimmbad, verschiedenen Sportplätzen und sogar einem Tanzstudio) besichtigen. Den Rest des Tages hatten schottische und deutsche Schüler zusammen viel Spaß beim Bowling in Stirling.

 

Tag 7: Mittwoch, 24. September 2014

Am Mittwoch erkundeten wir eine weitere schottische Metropole: Glasgow! Eine perfekte Gelegenheit hierzu bot sich uns am „George Square“, einem sehr zentralen Platz in Glasgow, in Form eines der vielen Sightseeing-Busse. Sollte das Wetter in Glasgow so schön sein wie an diesem Tag, ist das Deck eines solchen Busses einer der besten Plätze, um sich die Stadt anzusehen! Auf unserer Fahrt bekamen wir unter anderem den riesigen „Tron“ (einen sehr hohen Turm mit einer sehr, sehr großen Uhr), das bunte Gebäude der „Art Gallery“ und einen wunderschönen Springbrunnen, dessen Statuen jede der ehemaligen Kolonien des Britischen Empire repräsentieren, zu sehen.

Wie bereits in Edinburgh, so hatten wir auch in Glasgow genügend Freizeit, um auf eigene Faust einkaufen zu gehen und uns umzuschauen. Die Stadt wirkt sehr modern und offen, es gibt unzählige Geschäfte und Restaurants aller Arten, aber auch viele prunkvolle und alte Gebäude .Die meiste Zeit verbrachten wir wohl in der „Buchanan Street“, einer prächtigen Einkaufsstraße, wie zum Beispiel im „Princess Square“, einem ziemlich schick eingerichteten Kaufhaus.

Am Nachmittag ging´s wieder nach Stirling, wo wir den letzten Abend mit unseren Gastfamilien verbrachten.

 

Foto: Bernd Kappl

Foto: Bernd Kappl

Tag 8: Donnerstag, 25. September

Der 25. war der Tag unserer Abreise, der für uns alle unglaublich schnell gekommen war…

Gegen zehn Uhr nahmen wir also (zunächst einmal) Abschied von unseren schottischen Gastfamilien und traten die Heimreise per Flugzeug von Edinburgh über Frankfurt nach Nürnberg an. Auch während der vier Stunden Aufenthalt in Frankfurt kam übrigens keineswegs Langeweile auf, da wir die Hälfte der Zeit mit einer verzweifelten Suche nach dem McDonald’s des Flughafens verbrachten, den wir zwar durch eine Glasscheibe sehen, aber nicht erreichen konnten…

Während dieser spannenden Suche fragten wir unter anderem drei Mal beim selben Infoschalter nach, legten gefühlte sieben Kilometer Strecke auf dem überaus großzügigen Flughafengelände zurück, erfuhren, dass sich der McDonald’s in Deutschland, wir uns dagegen im Ausland befänden, benutzten die Frankfurter Hochbahn und erreichten endlich, endlich unser Ziel. Nach einer reibungslosen Rückreise erreichten wir gegen Mitternacht schließlich das Augustinus-Gymnasium.

Trotz der verzweifelten Suche nach unserem heiß geliebten Mc war der erste Austausch sehr gelungen, da wir alle wirklich gut untergebracht und versorgt wurden. Keiner von uns hatte irgendwelche Probleme (seien es Hunger, Durst, Verständigungsprobleme, Probleme mit der Gastfamilie, Probleme mit dem Austauschpartner usw.…).

Im Mai werden wir die Schotten in Deutschland willkommen heißen; wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen!!! Vor allem aber hoffen wir, dass unsere Fahrt nach Schottland geholfen hat, eine langfristige Partnerschaft mit der „Stirling High School“ aufzubauen und das Interesse an einem Austausch bei möglichen zukünftigen Teilnehmern zu wecken. Wir alle waren begeistert von Schottlands Natur und Kultur und natürlich von seinen offenherzigen und höflichen Bewohnern. Wir würden uns deshalb freuen, wenn auch dieser Austausch einen festen Platz an unserer Schule bekäme – das Fundament dazu ist auf jeden Fall gelegt!

 

 

Larissa Reil / Lilli Werner (Klasse 9d)