Foto: Seiermann
Foto: Seiermann

Am Abend vor der Abfahrt nach Vichy explodierte unsere Whatsapp-Französisch-Gruppe vor Nachrichten wie: „Mist, mein Koffer ist zu klein!!!“, „Nehmt ihr für euer Gastgeschenk eine extra Tasche?“ und „Wie viele Flaschen Trinken nehmt ihr mit zur Fahrt?“ Letztendlich hat sich die Aufregung gelohnt. Wieso? Das wollen wir euch im folgenden Bericht erzählen.

 

Tag 1: Der große Tag ist endlich gekommen

Pünktlich um 7 Uhr waren unsere Koffer verstaut und wir konnten unsere Reise nach Frankreich antreten. Die 12,5 stündige Fahrt verbrachten wir damit, „Werwolf“ zu spielen, überlebenswichtige Vokabeln zu lernen und – natürlich – zu essen.

Als wir schließlich um 19:30 Uhr am Collège Jules Ferry ankamen, wo uns unsere Austauschpartner und deren Eltern bereits erwarteten, waren wir – vor allem die Mädchen – vor Aufregung völlig am Ende, was wir den Franzosen durch Kreischen mitteilten.

Nachdem Frau Chauliac einige Worte gesprochen hatte, wurden wir und unsere Corres paarweise aufgerufen. Nach den „Bisous“ trennten sich für diesen Tag unsere Wege, und wir begannen, den französischen Alltag zu erleben.

 

Tag 2: Schnupperstunden im Collège

Am nächsten Morgen um 8 Uhr versammelten wir uns in einem Klassenzimmer und erzählten von unseren ersten Eindrücken in den Gastfamilien.

Danach stellten uns einige französische Schüler ihre Schule anhand einer Power-Point-Präsentation vor, worauf die Schulführung folgte. Bis 12 Uhr wurden wir grüppchenweise in den Unterricht „gesteckt“, in dem wir die Strenge mancher Lehrer zu spüren bekamen und die französische Unterrichtsweise kennenlernten.

In der Mittagspause aßen wir mit unseren Corres in der Kantine, wo wir einen mehr oder weniger guten Eindruck von der französischen Küche bekamen. Um es nicht zu hart auszudrücken, sagen wir´s mal so: Der Hackfleisch-Wirsing-Auflauf war nicht jedermanns Sache…

Nachmittags zeigten uns Frau Büchl und Herr Seiermann bei der Stadtführung durch Vichy verschiedene Sehenswürdigkeiten, beispielsweise die Wasserquellen oder die Oper.

 

Tag 3+4: Vom Eislaufen über Schwimmbadbesuch bis hin zur Privatfeier im Gartenhäuschen

Am Wochenende waren wir auf uns allein gestellt. Unsere Lehrer standen uns nur im Notfall telefonisch zur Verfügung.

Unsere Austauschpartner überlegten sich ein Programm mit Aktivitäten, wie zum Beispiel: Bowling, Shoppen, Eislaufen, Schwimmen oder eine spontane Feier im Gartenhäuschen einer Familie. Ein weiterer Teil der Gruppe ging am Samstag richtig französisch essen: an einer Dönerbude am Bahnhof…

Durch den jeweiligen Freundeskreis unserer Corres hatten wir Deutsche die Möglichkeit, Mitschüler aus den Parallelklassen besser kennenzulernen und neue Freundschaften zu schließen.

 

Foto: Seiermann
Foto: Seiermann

Tag 5: Kreatives Entwerfen von Bühnenkostümen

Nach einer Stunde Busfahrt kamen wir in Moulins und somit an unserem Tagesziel an. Im Museum für Bühnenkostüme sammelten wir anhand von Originalkostümen Ideen für das Thema unseres Workshops: Entwerfen von Accessoires für Kostüme. Diese wurden anschließend von einem „Model“ vorgeführt. Auch Frau Büchl und Herr Seiermann legten sich mächtig ins Zeug, indem sie mit Hilfe unseres Busfahrers Martin und den gestellten Materialien – Schläuche, Draht, Stofffetzen und Klebeband – ein maßgeschneidertes Jetpack für Herrn Seiermann entwarfen.

Nach unserem amüsanten Workshop wurden wir durch das Museum für Bühnenkostüme geführt, wobei wir uns mehrere Filmausschnitte aus Opern und Theateraufführungen, z.B. Schneewittchen, ansahen.

 

Foto: Seiermann
Foto: Seiermann

Tag 6: Prinzessinnen, Ritter und undefinierbare Gestalten

An Tag sechs fuhren wir zum Schloss Aulteribe, wo wir anfangs eine Führung durch das Schloss bekamen, die es in sich hatte: von Raum zu Raum wurde es immer kälter und selbst unsere Lehrer hatten sich das anders vorgestellt. Nachdem wir dies mehr oder weniger gut überstanden hatten, aßen wir unsere von der Kantine liiiiiebevoll zusammengestellten Lunchpakete (Thunfischsalat, ein „großes“ Stück Baguette, Joghurt, Chips, Apfelkompott und – was natürlich nicht fehlen durfte – Käse). Nach unserer Mittagspause begann unser zweiter Workshop, diesmal zum Thema „Porträt“. Wir wurden in einen beheizten (!) Raum geführt, wo wir uns bzw. unsere mitgebrachten Ganzkörperporträts mit Hilfe von Papier, Steinchen und Federn in Szene setzten. Nach dem Bekleben (danke Frau Büchl für die Info!) wurden die Porträts auf einem Hintergrund befestigt. Dabei zeigte sich unser Herr Seiermann von seiner kreativen Seite und beteiligte sich voller Elan an den Werken seiner Schüler und machte sie somit zu Meisterwerken.

 

Tag: 7: Vom Blaubeerkuchen bis hin zum Pökelfleisch

An diesem Tag hatten wir unser gemeinsames Projekt mit den Franzosen. In Gruppen zu je sechs Leuten übersetzten wir typische Rezepte der Auvergne mit Hilfe von Gestikulation und neu entdeckten Zeichenkünsten. Anschließend wurden die Ergebnisse in einer Power-Point-Präsentation festgehalten, bei der wir deutschen Schüler mit der französischen Tastatur zu kämpfen hatten.

Zum Abrunden des Vormittages spielten wir eine weitere Runde „Werwolf“, – aber diesmal zweisprachig – was nur semi-gut funktionierte.

Der Nachmittag war frei und so gingen die meisten mit ihren Partnern zunächst zu McDonalds („Mac Do“, wie die Franzosen sagen) und danach eine Runde Shoppen in Vichy.

 

Tag 8: Komplikationen jeglicher Art

An Tag acht fand unser gemeinsamer Ausflug zur Seidenmanufaktur in Lyon (drittgrößte Stadt Frankreichs!) statt. Nach einer guten Stunde und neuen Kenntnissen über Webstühle stand uns die wohl „schwierigste“ Busfahrt des ganzen Austauschs bevor. Mit unserem großen Reisebus, besetzt mit 49 Personen, mussten wir uns durch die engen Straßen der Großstadt zwängen (Respekt an Martin!).

Schließlich bekamen wir noch eine Stadtführung und durften (nach einigen Diskussionen mit unseren Lehrern) in Gruppen die Stadt erkunden.

 

Tag 9: „Shopping“ – das Unwort unseres Austauschs

Am letzten Tag fuhren wir nach Clermont-Ferrand, wo wir zuerst die „Grotte de la Pierre de Volvic“ besichtigten. Mit kleinen Filmen und einer schönen Szenerie wurden uns die Umstände der damaligen Zeit nahegelegt.

Nachdem Frau Büchl uns mehrmals darauf hinwies, dass „das schön ist“, Herr Seiermann Gefallen an den vielen Farben gefunden hatte (orooooosch) und wir die Stadtführung hinter uns hatten, begann das Grauen für die Lehrer und unseren einzigen Jungen (Respekt an dieser Stelle an dein Durchhaltevermögen inmitten einer Horde von Mädchen 😉 ) : SHOPPEN!

Wir stürzten (ja, stürzten!) uns auf die Läden und kamen auch so schnell nicht mehr zurück. Am Ende dieses Ausflugs waren alle 1. tot müde, 2. mit Tüten vollgepackt und 3. überglücklich.

Unsere Lehrer konnten also ruhigen Gewissens mit uns zurück nach Vichy fahren. Danke nochmals dafür!!

 

Tag 10: zwischen Tränen und Freude

Auch wenn wir uns dagegen gesträubt hatten, Frau Büchl konnte am Ende ihren Willen durchsetzen und scheuchte uns in den Bus, als wir nicht mehr von unseren Corres loslassen wollten. Unter Tränen traten wir unsere letzte gemeinsame Busfahrt an.

Nach gefühlten zweihundert Folgen „Karambolage“, fünftausend Runden „Werwolf“ und etlichen Gesangseinlagen trafen wir um 19:45 in Weiden ein, wo uns unsere Eltern und Geschwister in Empfang nahmen.

Abschließend möchten wir uns bei Frau Büchl und Herrn Seiermann im Namen der ganzen Französischklasse der 9. Jahrgangsstufe im Schuljahr 2015/16 für den tollen Austausch bedanken – und hoffen, dass Sie genauso viel Spaß mit uns hatten, wie wir mit Ihnen!

Hanna Träger, Barbara Schmucker; 9b