Foto: Wagener
Foto: Wagener

40 Schülerinnen und Schüler der Q11 hatten am Dienstag, den 12.4.2016 die Gelegenheit, zu erfahren, wie es war in der DDR zu leben und zu arbeiten. Der Fotograf Siegfried Wittenburg besuchte an diesem Tag das AGW, um in einem höchst interessanten Vortrag als Zeitzeuge des SED-Staats zu den Schülerinnen und Schülern zu sprechen.

Der 1952 in Warnemünde geborene ausgebildete Funkmechaniker begann 1977 die Fotografie für sich zu entdecken; 1981 folgte der erste Beitrag zu einer Ausstellung, wobei er auch schon seiner ersten Erfahrungen mit den Zensurbehörden der DDR machte. Davon ließ er sich aber nicht entmutigen, sondern verfolgte weiterhin seine Leidenschaft, für die er sich auf verschiedene Weise engagierte, etwa als künstlerischer und organisatorischer Leiter des jugendlichen Fotoklubs „Konkret“ oder als „Leiter im künstlerischen Volksschaffen“ wovon er 1986 für einige Zeit wegen Verweigerung einer Zensur entlassen wurde. In der Wendezeit 1989/90 wurde er zum Chronisten der Ereignisse in Rostock, wobei auch sein weltberühmtes Bild des damaligen Pfarrers und heutigen Bundespräsidenten Joachim Gauck bei einer Predigt in der überfüllten Kirche entstand. Seitdem war Herr Wittenburg mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten und seit 1996 gibt es sein Ost Seh Haus, eine Ladengalerie und Fotostudio, in Rostock-Warnemünde.

Siegfried Wittenburg gelang es mit Leichtigkeit seine Zuhörer für sein Thema einzunehmen. Er erzählte lebhaft und auch humorvoll, wie es war im realexistierenden Sozialismus zu leben. Dabei fand er besonders dadurch den Draht zu den Schülerinnen und Schülern, dass er den Schwerpunkt auf das Alltagsleben legte und das Leben der „einfachen Leute“ zeigte. Dadurch gewannen sie einen klaren Einblick, welchen Einfluss der Unrechtsstaat DDR auf das Leben des Einzelnen hatte. Die einhellige Meinung aller Zuhörer war, einen äußerst interessanten und informativen Vortrag gehört zu haben und dass man Herrn Wittenburg gerne wieder für einen Vortrag an unsere Schule einladen sollte.

 

Am Freitag, den 15.4.2016 besuchte der Überlebende des Konzentrationslagers Flossenbürg Leszek Zukowski in Begleitung seiner Frau und einer Dolmetscherin das Augustinus-Gymnasium, wo er vor 30 Schülerinnen und Schülern der 11. Jahrgangstufe des AGW und des Kepler-Gymnasiums von seinen Erfahrungen berichtete.

Leszek Zukowski, geboren 1929, wuchs im polnischen Kutno auf. Sein Vater war früh verstorben, so dass seine Mutter, eine Grundschullehrerin, alleine großzog. Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde Herr Zukowski zusammen mit seiner Mutter und Schwester im Zuge der Germanisierung des sogenannten „Warthegaus“ nach Warschau verschleppt. Dort geriet der 15jährige im September 1944 in die Wirren des Warschauer Aufstandes. Deutsche Truppen nahmen ihn gefangen und verschleppten ihn ins KZ Flossenbürg, wo er unter fürchterlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten musste. Den Todesmarsch 1945 in das KZ Dachau überlebte er, erkrankte aber an Typhus. Am 29. April 1945 wurde er in Dachau von den Amerikanern befreit.

Leszek Zukowski besuchte später die Technische Hochschule in Esslingen. Als er im Sommer 1947 nach Polen zurückkehrte, studierte er in Warschau an der Hochschule für Landwirtschaft. Von 1987 bis 2003 amtierte er als Dekan an der Fakultät für Holztechnologie.

Aufgrund seiner detaillierten, anschaulichen Schilderung gelang es ihm, dass er von der ersten bis zur letzten Minute seines Vortrags die volle Aufmerksamkeit seine Zuhörer hatte. Immer wieder ermunterte er die Schülerinnen und Schüler ihm Fragen zu stellen, was diese auch sehr häufig taten. Besonders faszinierte, wie genau Herr Zukowski sich trotz der vielen Jahre, die inzwischen vergangen sind, noch an alle Erlebnisse erinnerte. So gingen die 90 Minuten, die für das Gespräch angesetzt waren schnell – für manche zu schnell – vorbei.

Die Kooperation zwischen Kepler-Gymnasium und Augustinus-Gymnasium war im Vorfeld reibungslos verlaufen. Dennoch hat die Tatsache, dass man sich einen Zeitzeugen „teilen“ musste dazu geführt, dass eine sinnvolle, gemeinsame Vor- und Nachbereitung des Gesprächs nicht stattfinden konnte.

Wagener