Schüleraustausch mit dem Liceo Giacomo Leopardi in Macerata

 

Der Schüleraustausch mit Macerata war in diesem Jahr heiß begehrt. 28 Schülerinnen und Schüler wollten die italienische Partnerstadt Weidens und ihre Umgebung kennen lernen. Dafür waren die sieben Tagen vom 25.04. bis 02.05. reserviert.

Nach einer Busfahrt von ca. 14 Stunden Dauer kamen die 28 Jugendlichen und ihre begleitenden Lehrkräfte Frau Stangl und Herr Fink am 24. April voller Vorfreude und Spannung um 20 Uhr in Macerata an, wo sie ihre Gastfamilien schon erwarteten und italienisch-herzlich in Empfang nahmen.

Foto: Stangl

Nach reichhaltigem Abendessen und kurzer Nacht stand am Mittwoch der Besuch der Schule auf dem Programm. Das Liceo Giacomo Leopardi ist ein humanistisches und neusprachliches Gymnasium und damit dem AGW sehr ähnlich. Die italienischen Schüler und ihre betreuende Lehrkraft Frau Milvia Marincioni hatten zur Begrüßung einen Tanz zu einem italienischen Popsong einstudiert. Anschließend galt es, in gemischten Gruppen Quizfragen zu Italien, der Region Marchen und der Stadt Macerata zu beantworten. Der Clou dabei: Die Fragen waren auf Deutsch, die Antworten kannten aber nur die Italiener. So war schon nach kurzer Zeit das Eis gebrochen und aus italienischen und deutschen Schülern formte sich eine homogene und harmonische Gruppe. Der Ausflug am Nachmittag führte zu den Ausgrabungen der römischen Stadt Urbs Salvia (heute: Urbisaglia), wo der entspannte Guide Leonardo der Gruppe neben den wichtigsten Gebäuden der Ausgrabungen (Wasserreservoir, Theater, Tempel, Amphitheater) auch noch die mittelalterliche Burg zeigte.

Am Donnerstag führte ein ganztägiger Ausflug zum Meer. Vom Städtchen Sirolo, das am Fuß des Monte Conero liegt, führte ein langer Abstieg zum Strand. Dort durften bei windigem Wetter die Wellen bewundert oder schöne Muscheln gesammelt werden. Der eine oder die andere wagte sich sogar mit hochgekrempelten Hosenbeinen ins noch kühle Wasser. Trotz des mühevollen Rückwegs (immer bergauf) waren sich die Schüler einige: Die Anstrengung hatte sich gelohnt, denn „Das Meer macht glücklich.“ (Lisa Lingl) Von Sirolo führte der Ausflug weiter nach Ancona, der alten Hafenstadt, die aufgrund ihrer Lage auf einem Landvorsprung von fast allen Seiten vom Meer umgeben ist. Daher rührt auch ihr Name: Ankona leitet sich von dem griechischen Wort für „Ellbogen“ (agkon) ab. Der Dom, die Piazza del plebiscito, die Piazza Roma und ein Spaziergang zum Passetto, wo am Ende einsetzender Regen alle zum Bus zurücktrieb, hinterließen vielfältige Eindrücke bei den Besuchern.

Die Schattensein des Lebens in den Marchen führte am Freitag Herr Bartoloni, Geographielehrer am Liceo Leopardi, den Schülern anschaulich vor Augen. Er hatte sich die Mühe gemacht, für die deutschen Gäste einen Power-Point-Vortrag über die Erdbeben, die in den letzten Jahren Italien und besonders auch die Region in der Nähe von Macerata erschüttert hatten, zu erarbeiten. In dem sehr anschaulichen und (dank der Simultanübersetzung von Frau Stangl) gut verständlichen Referat, erläuterte Herr Bartoloni, dass mitten durch Italien eine Linie verläuft, an der zwei Erdplatten aneinander grenzen. Da die Platten sich stets aufeinander zu, voneinander weg oder nebeneinander her bewegen, kommt es immer wieder zu Erdbeben verschiedener Stärken.

Foto: Stangl

Bei der anschließenden Stadtführung durch Macerata konnten die Schüler ihre landeskundlichen Kenntnisse weiter vergrößern. Sie erfuhren von der Gründung Maceratas aus zwei ursprünglich unabhängigen Gemeinden, besuchten das wundervolle Teatro Lauro Rossi, waren beeindruckt von der eigenartigen Architektur des Sferisterio (das seine Struktur seiner Funktion verdankt: Es war der Austragungsort für eine Sportart, die eine Mischung aus Squash und Tennis darstellt. Heute dient es aufgrund seiner hervorragenden Akustik als Theater für Opernfreilichtaufführungen) und durften im Kutschenmuseum nicht nur die Entwicklung dieser Gefährte im Laufe der Zeit bestaunen, sondern sogar eine virtuelle Kutschenfahrt selbst mitmachen. Krönender Abschluss des Rundgangs war die astronomische Uhr an der Torre Civica und das Glockenspiel um 12 Uhr mittags. Anschließend empfing Bürgermeister Romano Carancini alle Schüler, dankte ihnen für ihre Teilnahme an dem Austausch und forderte sie auf, weiter an der Vertiefung der europäischen Gemeinschaft mitzuwirken.

Nach diesem eindrucksreichen Vormittag war am Nachmittag ein Ausflug nach Civitanova ans Meer und zu den dortigen Einkaufsmöglichkeiten eine willkommene Erholung.

Der Samstag diente dazu, auch weiter entfernte Gegenden kennen zu lernen, und so fuhren Deutsche und Italiener gemeinsam nach Perugia in Umbrien. Mit modernsten Verkehrsmitteln (Mini-Metro) gelangten sie vom Busparkplatz in die historische Altstadt. Der beeindruckende Dom, der Palazzo dei Priori sowie die Galleria Nazionale mit ihren zahlreichen religiösen Bildern wurden gemeinsam besichtigt und bewundert. Am Nachmittag konnte jeder selbstständig die Stadt erkunden und dabei z. B. die berühmte Ausländeruniversität oder den etruskischen Bogen entdecken. Aber auch die Schokoladenspezialitäten, für die diese Stadt bekannt ist (baci perugini), blieben den Schülern nicht verborgen.

Foto: Stangl

Die beiden Feiertage Sonntag und Montag waren für eigene Unternehmungen der Schüler mit ihren italienischen Gastfamilien gewidmet. Ob man nun in eines der Einkaufszentren, ans Meer oder gar bis nach Rom pilgerte – in jedem Fall konnten sich beide Seiten auf diese Weise noch besser kennen und schätzen lernen.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass am Dienstagmorgen der Abschied von den neu gewonnenen Freunden nicht ohne Tränen und Wehmut vonstattenging. Doch der Abschied ist nur vorübergehend. Virtuell helfen die modernen Kommunikationsmedien dabei, den Kontakt zu halten, und zum Gegenbesuch werden die Italiener ganz real in Weiden erscheinen. Die Zeit bis dahin ist gar nicht mehr so lang: Sie kommen vom 14.-23.Oktober.

Fink