Zeitzeugengespräch mit Leon Weintraub am Freitag, den 20.4.2018 am Augustinus-Gymnasium Weiden

 

Am 20.4.2018 fanden sich 26 Schülerinnen und Schüler des Q11-Jahrgangs mit Herrn Wagener in der Mensa des AGW zu einem Zeitzeugengespräch mit Herrn Dr. Leon Weintraub (*1926) ein.

Bild: Wagener

Den Anfang machte der Vortrag von Dr. Leon Weintraub, indem er den Schülerinnen und Schülern von seinem Leben erzählte. Zunächst berichtete er von seiner Kindheit in ärmlichen Verhältnissen in Lodz, ohne Vater, der bereits 1927 verstorben war, aber mit vier älteren Schwestern (Zitat: „Es war nicht leicht mit fünf Müttern aufzuwachsen.“) über seine Erfahrungen unter der deutschen Besatzung im Ghetto Litzmannstadt, wie Lodz zu diesem Zeitpunkt von den Deutschen genannt wurde und wo es der Familie eine Zeit lang gelang, sich vor der Deportation zu verstecken. Er fuhr fort mit der Schilderung seiner Erlebnisse in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau, dem er nur durch großes Glück lebend entkam, Groß-Rosen, Flossenbürg und, kurz vor Kriegsende, Natzweiler. Auf einem Gefangenentransport gelang ihm die Flucht und nach einem nächtlichen Marsch erreichte er am 23.4.1945 das mittlerweile durch die Franzosen befreite Donaueschingen.

Schließlich erzählte Herr Dr. Weintraub den Schülerinnen und Schülern noch von seinem Leben nach dem Krieg, als er in einem Sammellager für DPs („displaced persons“) in Süddeutschland davon erfuhr, dass drei seiner älteren Schwestern das KZ Bergern-Belsen überlebt hatten und sich nach Göttingen aufmachte, um sie wieder zu finden. Dort begann er mit Erlaubnis der britischen Besatzungsmacht sein Medizinstudium, obwohl er nur sechs Jahre eine Schule besucht hatte. 1950 kehrte er nach Polen zurück, dem er aber 1969 wieder den Rücken kehrte, da er in Folge des zunehmenden Antisemitismus seine Stelle als Oberarzt verloren hatte.

Ein besonderes Anliegen war es Herrn Weintraub seine jungen Zuhörer zu ermuntern, wachsam zu sein, wenn rechte Parolen und rechtes Gedankengut in Deutschland und Europa wieder um sich greifen und nicht tatenlos zuzusehen, wenn Menschen auf ihre Hautfarbe, Religion oder Ethnie reduziert werden.

All dies erzählte Herr Weintraub so eindringlich und bewegend, dass ihm die Schülerinnen und Schüler gebannt lauschten. Im Anschluss an den ca. 100minütigen Vortrag, den Herr Weintraub mit fester und klarer Stimme sprechend im Stehen absolvierte, bot sich noch die Gelegenheit für Nachfragen. Diese nutzten die Schülerinnen und Schüler trotz anfänglichem Zögern, wohl aufgrund des sehr großen Respekts vor Herrn Weintraub und seiner Lebensleistung, schließlich doch eingehend.

Die Schülerinnen und Schüler verließen die Mensa tief beeindruckt und sichtlich berührt.

Wagener