Sie schreibt wie sie boxt – Die französische Schriftstellerin und mehrfache Weltmeisterin im Amateurboxen Aya Cissoko liest in Weiden

 

Foto: Büchl

Schnörkellos und direkt ist ihr Stil, treffsicher und warmherzig berührt sie auch die 90 Schülerinnen und Schüler der 10. und 11. Klassen aus dem Elly-Heuss-Gymnasium und dem Augustinus-Gymnasium, die sich mit ihren Französisch-Lehrkräften am 16.7.2018 auf den Weg in die Weidener Regionalbibliothek gemacht haben. Bereits im Vorfeld waren sie im Unterricht darauf eingestimmt worden: Aya Cissokos Geschichte und ihre Geschichten gehen unter die Haut, erzählen von Schicksalsschlägen, Entbehrungen, aber auch von Optimismus und Glück, von helfenden Helden des Alltags, von starken Frauen, von Respekt und – ganz wichtig – vom zentralen Begriff der Würde -„Danbé“ in der Bambara-Sprache Malis, des Ursprungslands ihrer Eltern. Die Autorin erzählt viel, auch sehr Persönliches, und liest aus ihrem zweiten Roman mit dem Originaltitel: N’ba (2016, Verlag Calmann-Lévy), der ihrer Mutter Massire gewidmet ist und vom Aufwachsen Cissokos und ihrer Geschwister in Vororten von Paris handelt. Cissokos Kindheit endet an dem Tag, als ihr Vater und ihre kleine Schwester bei einem rassistischen Brandanschlag auf ihr Wohnhaus getötet werden. Das Boxen dient ihr dazu, ihre Verzweiflung in Bahnen zu lenken. Sie macht, was ihr gut tut – gibt dies auch den Zuhörern mit auf den Weg – und wird sogar mehrfache Weltmeisterin im Amateurboxen. Nach einem schweren Sportunfall erfindet sie sich neu, erhält ein Stipendium für das renommierte Institut d’études politiques de Paris (Sciences Po), und beginnt zu schreiben. Mittlerweile ist sie auch als Schauspielerin tätig.

Foto: Büchl

Begleitet wurde Aya Cissoko von der Moderatorin Sibylle Weingart von der Internationalen Jugendbibliothek in München. Diese wertvolle Einrichtung organisiert alle zwei Jahre das White Ravens Festival und lädt dazu herausragende Kinder- und Jugendbuchautoren und Illustratoren aus aller Welt nach München ins Schloss Blutenburg ein. Von dort aus werden die Gäste vier Tage auf Lesereise durch ganz Bayern geschickt. Die Stellvertretende Schulleiterin des AGW, Frau Edith Lippe, bedankte sich in ihrer Begrüßungsrede dafür, nach 2016 schon zum zweiten Mal bei der Auswahl als Gastgeber berücksichtigt worden zu sein und freute sich, dass durch die organisatorische Zusammenarbeit der Französisch-Fachschaften des „Elly-Heuss“ und des „Augustinus“ mit der Regionalbibliothek diese ganz besondere Veranstaltung – anders als in Großstädten ist das Angebot an fremdsprachigen Lesungen in Weiden ja durchaus rar gesät- so vielen Schülern in so würdigem Rahmen ermöglicht werden konnte. Auch wenn bestimmt nicht alle SchülerInnen immer alles verstanden haben dürften – vor allem beim Vorlesen ließ sich die Autorin mitunter vom eigenen Rhythmus mitreißen- so hat doch jeder im Raum gespürt, dass die Kraft der Sprache von Aya Cissoko über eine ganz außergewöhnliche Wucht verfügt, die ganz besonders stark in kämpferischen Botschaften für mehr Toleranz und (Zivil-) Courage zum Ausdruck kommt.

Büchl