Am 9.6.26 fand die Eröffnung der Wanderausstellung „Geliebte Gabi. Ein Mädchen aus dem Allgäu – ermordet in Auschwitz“ über das kleine jüdische Mädchen Gabriele Schwarz am AGW statt. Mit dabei waren die Ausstellungsmacher, die die Ausstellung und ihr Konzept vorstellten, sowie die Jugendlichen der Q12.
Nach einer Begrüßung durch unseren Schulleiter Herrn Kreuzer hielten der Weidener Bürgermeister Jürgen Meyer und eine Vertreterin des Kultusministerium, Bettina Kummer, Grußworte. Frau Kummer rief insbesondere dazu auf, sich in der Ausstellung Zeit zu nehmen, um sie auf sich wirken zu lassen.
Das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, welches von den Schülerinnen Alisa Jarusskij und Veronika Rupprecht (Q12) vorgetragen wurde, leitete die Eröffnungsrede der beiden Organisatoren ein. Leo Hiemer und Regina Gropper – Autor sowie Kuratorin der Ausstellung – gingen tief auf die Entstehung ihres Projekts ein. Sie erzählten uns, wie sie durch Liebe zu diesem fünfjährigen Mädchen aufeinander getroffen sind und schon jahrelang zusammenarbeiten, damit Gabi nicht vergessen wird.
Gabi wäre dieses Jahr 89 Jahre alt geworden. Nun bleibt sie auf ewig 5, denn in diesem Alter wurde sie in Auschwitz ermordet. Diese fünf Jahre ihrer kurzen Lebenszeit werden in den fünf Stationen der Ausstellung dargestellt. Ihr Leben bei ihrer katholischen Pflegefamilie im Allgäu, ihre Beziehung zu ihrer jüdischen Mutter und ihr tragischer Weg nach Auschwitz werden durch zahlreiche Fotos und Gabis ehemaligen Besitz zur Schau gestellt.
Diese Gemeinde, in der Gabi aufwuchs, das Dorf Stiefenhofen, wehrte sich anfangs vehement gegen die Recherchearbeit des Historiker Leo Hiemer. „Davon will niemand mehr etwas hören“ kam als Antwort, als Leo Hiemer in den 1980er Jahren mit seinen Nachforschungen begann: Beschuldigungen, die Ehre des Dorfes werde verletzt, wurden ihm an den Kopf geworfen.
Diese Gleichgültigkeit gegenüber Gabis Ermordung entfachte bei Leo Hiemer eine Empörung, die ihn noch bis heute antreibt, Gabis Geschichte zu verbreiten.
So gastierte die Ausstellung schon im Bayerischen Landtag und an etlichen Schulen, bevor sie durch große Bemühungen von Herrn Peter nun an unsere Schule kam. Hier ist sie bis zum 26. Juni zu sehen.
Gezeigt werden etlichen Fotos, die Gabis Stiefschwester für Gabis leibliche Mutter Lotte aufgenommen hatte, da diese ihr Kind nicht selbst aufwachsen sehen konnte. So entstanden ganze Fotoalben, die das Leben dieses jungen Mädchens dokumentieren. Weiterhin werden die Rettungsversuche der Familie vorgestellt und es finden sich viele Gegenstände, die einst Gabi gehörten. Besonders nennenswert die Foto-Kamera.
Bei dem Podiumsgespräch, das wir mit Herrn Hiemer führten, kam auch die zur Schau gestellte Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern des Holocaust und der Shoa zur Sprache, die dem Historiker mitunter bei seinen Nachforschungen begegnete: „Wir sind alle Kinder, wir haben alle eine Mutter. Zu so einem Tod kann man nicht einfach – weder damals noch heute – mit den Schultern zucken und sagen: Das war halt damals so“ , so Leo Hiemer. Weiterhin machte er uns deutlich: „Gabis Geschichte ist keine jüdische Geschichte, das ist eine deutsche Geschichte. Der Holocaust war nämlich keine Sache der Juden; er war eine Sache der Deutschen.“
Wir haben das als Ansporn empfunden, die Vergangenheit nicht einfach ruhen zu lassen und auch in der Gegenwart aktiv gegen Diskriminierung zu kämpfen. Denn, ob Jude oder „Ausländer“, andere Menschen wegen Herkunft, Aussehen oder Identität zu diskriminieren, ist nicht vertretbar. Extremismus – das hat uns die deutsche Geschichte gelehrt – ist eine Sache, gegen die man vereint kämpfen muss.
Selina Windisch (Q12)




